Verantwortung übernehmen! Warum nicht wir?

 

10. – 12.Februar 2017 

 

Intergenerationelle Jugendakademie

 

 Das Thema „Verantwortung übernehmen“ klingt ja nicht gerade nach einem Bringer für Jugendliche. Doch es waren Jugendliche, die sich dieses Thema gewünscht hatten, und das gemeinsam mit ihren Eltern oder auch Großeltern! So kam es, dass nach mehreren Jahren wieder einmal eine intergenerationelle Jugendakademie zustande kam. Als Referentinnen und Referenten waren zum einen Jugendliche eingeladen, die bereits gesellschaftspolitisch aktiv sind, zum anderen Erwachsene, die Jugendliche darin unterstützen, sich wirksam in politische Belange einzumischen.

 

 Zum Einstieg gab es einen Crash-Kurs in Sachen „Wer kümmert sich um was – Kommune, Land oder Bund“ in Form eines witzigen spielerischen Wettbewerbs. Sehr viel nachdenklicher und mit intensiven Diskussionen verbunden ging es beim Thema „Rechtsextremismus und Gewalt“ zu. Eindrücklich vermittelte Sarah Vogel, Jugendbildungsreferentin der Hannoverschen Landeskirche, wie Rechtsextreme versuchen, mit Symbolen und Sprüchen auf indirekten Wegen Jugendliche für ihre Zwecke zu gewinnen.

 

 Mit zwei Themen setzten sich die Teilnehmenden in Workshops besonders intensiv auseinander: Zum einen ging es um die Frage des Engagements für geflüchtete Menschen im eigenen Umfeld. Jan Wallschlag von ‚Peerleader international‘ und selbst noch Jugendlicher, leitete diesen Workshop. Da er bereits seit Jahren politisch aktiv ist, verfügt er über vielfältige Erfahrungen und konnte mit den Teilnehmenden ihre Fragen und Wünsche ganz konkret und detailliert bearbeiten, so dass sie im Anschluss an die Jugendakademie sofort an ihrem Wohnort loslegen können.

 

 Das andere Thema war die Frage nach dem „guten Leben für alle“, und zwar europaweit. Hierzu diskutierten und recherchierten Gregor Dehmel, Annika Exner und Lennart Kokott vom Team ‚Politik zum Anfassen‘ mit den Teilnehmenden. Aus Interviews mit Gästen der Akademie entstand schließlich ein Film zum Thema – der Clou: Der Film wird im Rahmen des Luther-Jubiläums in Wittenberg im Jugendpavillon zu sehen sein!

 

 Was gab es noch? Peter Klein, Referent für die Unesco-Schulen, warb für Erweiterung des eigenen Horizontes durch Auslandsaufenthalte und gab vielfältige Einblicke in deren Wirksamkeit. Für beste Stimmung sorgte KG aus Südafrika, der zurzeit seinen Freiwilligendienst bei ‚Peerleader international‘ absolviert und alle mit seinen Energizern auf Temperatur brachte!

 


 

Voll unfair! Videoclips für mehr Gerechtigkeit

 

„Voll unfair!“ Das war das Thema eines Dreh- und Filmworkshops vom 16. bis 18. September an der Evangelischen Akademie Loccum, an dem 25 Jugendliche im Alter von 13-16 teilnahmen. Der Workshop fand in Kooperation mit dem niedersächsischen Kurzfilmwettbewerb „ganz schön anders“ statt, einem großen Wettbewerb, der sich das Thema „Inklusion“ groß auf die Fahnen geschrieben hat. In diesem Jahr lautet das Motto „ganz schön ungerecht“.

 

 

 Eingestiegen wurde mit der Frage, was die Jugendlichen als „Voll unfair“ empfinden. Das waren zum Beispiel Themen wie Rassismus, Vorurteile und Geschlechterrollen und die fehlende Chancengleichheit von Arm und Reich. Nachdem die Jugendlichen zu den Themen, die sie am meisten ansprechen, Teams gebildet hatten, bekamen sie von den beiden Filmexperten Sasha Prinz und Tobias Milde ein kurzes Briefing zu Einstellungsgrößen, Perspektiven und Kameraeinstellungen. Und dann ging’s los. Zahlreiche Drehorte mussten gesucht und gefunden werden. Akademieräume wurden zu Klassenzimmern umgestaltet, ein Teil des Klostergeländes zu einem Schrottplatz. Vielerlei Requisiten wurden aus dem Akademiefundus ausgegraben, braune Haare wurden mit Puder grau gefärbt, damit aus Jugendliche überzeugend alte Menschen wurden.

 

 

 Bei den Dreharbeiten führten die Jugendlichen im Wechsel Regie, waren auch noch Kameramann oder –frau, Schauspieler/in, Techniker/in und „Cutter“. Dass sie alle Rollen immer besser beherrschen lernten, ist der Profihaften Anleitung von Sasha Prinz und Tobias Milde zu verdanken. Die Jugendlichen waren mit so viel Engagement dabei, dass alle Mittags- und Kaffeepausen zu Drehbuch- oder Teambesprechungen wurden. Sie konnten sich kreativ ausleben, hatten witzige Ideen, zeigten tolle schauspielerische und kameratechnische Leistungen und ernteten bei den Uraufführungen der Filme dementsprechend viel Begeisterung und Applaus. Erschöpft, aber stolz und glücklich fuhren die Jugendlichen am Sonntagnachmittag nach Hause, mit der Gewissheit,  an diesem Wochenende etwas Großartiges geleistet zu haben.

 

 

 

Alle Filme nehmen am niedersächsischen Kurzfilmwettbewerb „ganz schön anders“ teil. Damit erhalten die Jugendlichen die Chance, ihre Filme am 8 Februar im Astor Grand Cinema vorzustellen und eine Reise zur Berlinale zu gewinnen.

 

 

 


Von der Stadt auf's Land,

von mir zu dir: Wald, Wasser, wir!

 

Zum Ende des Schuljahres ein Wochenende in Loccum und am Steinhuder Meer – das hatten sich Schülerinnen und Schüler zweier Sprachlernklassen der IGS Mühlenberg gewünscht. Und so machten sich 27 Jugendliche aus neun Ländern mit acht Lehrerinnen und Lehrern auf den Weg zur Evangelischen Akademie Loccum. Im Gepäck hatten sie neben Bade- und Regenkleidung Gegenstände, mit denen sie Erinnerungen an ihre Heimat verbinden. Die wurden gleich zu Beginn der Jugendakademie ausgepackt und vorgestellt. In der anschließenden improvisierten Ausstellung konnte erahnt werden, welche Erfahrungen und Geschichten sich mit diesen Fotos, Ketten, Flaggen, Stickereien und Münzen verbinden.

 

Heimat und Fremde, Abschied nehmen und Ankommen – das waren die Themen an diesem Wochenende. Die Jugendlichen leben seit circa einem Jahr in Deutschland, viele von ihnen waren längere Zeit auf der Flucht, alle haben in Deutschland neben einer neuen Sprache sehr viel anderes Neues kennen gelernt; so haben sie zum Beispiel mit ihren Lehrerinnen und Lehrern das Stadtleben in Hannover erkundet.

 

Und nun ging’s also auf’s Land. Mit Udo Büsing, einem Umweltpädagogen aus Hannover, erforschten die Jugendlichen Pflanzen und Tiere im Loccumer Klosterwald. Boubker Moussali, Theater- und Musikpädagoge aus Hannover, setzte das Thema in Musik und Bewegung um. Mit Susanne von Stemm, Theologin aus Loccum, erkundeten sie das 853 Jahre alte Zisterzienserkloster von Loccum – und ganz nebenbei erlebten sie den feierlichen Einzug einer Hochzeitsgesellschaft. ALLE Schülerinnen und Schüler machten sich um 7.30 Uhr morgens FREIWILLIG mit ihrem Sportlehrer zum Frühsport auf. Ganz außerplanmäßig und mega-überraschend gab es am Samstag Abend eine von den Schülerinnen und Schülern initiierte Geburtstagsparty für einen ihrer Lehrer! Und zum Abschluss ging es ans Steinhuder Meer, Beachball spielen, baden, picknicken.

 

Bei all diesen Erlebnissen lernten die Jugendlichen und ihre Lehrerinnen und Lehrer nicht nur das Leben auf dem Loccumer Lande und drumrum kennen, sondern sie erlebten auch sich selbst in anderer Umgebung neu. Und so wurden trotz Dauerregens aus zwei Klassen eine Gruppe, aus Jugendlichen und Erwachsenen eine Gemeinschaft! Es wurde sehr viel miteinander gelacht, getanzt, erzählt, Vertrauen entwickelt …

 


Lateinamerika meets Loccum


„Die Zukunft beginnt heute! – Mañana es hoy!“, das ist das Motto der Jugendtheatergruppe „TeatroTrono“ aus Bolivien. Was die Jugendlichen damit meinen, ist: nicht warten, bis sich etwas ändert, sondern selbst etwas dazu bei­tragen. Sie machen das mit Mitteln des Theaters, zuhause auf Straßen und Bühnen, auf Tournee in Europa in Schulen und Jugendhäusern – und vom 25. bis 27. September 2015 eben auch bei uns, in der Evangelischen Akademie Loccum.

In ihrer Performance, einer Mischung aus Pantomime, Clowning und dem Einsatz von Masken und Zirkustechniken, stellten die Jugendlichen mit ungeheurer Spielfreude, atemberaubendem Temperament und herausragendem Können die Probleme ihres Alltags am Beispiel ihrer Heimatstadt El Alto dar, einem Ort, der sich innerhalb weniger Jahrzehnte von einem Dorf zu einer Großstadt entwickelt hat. Dieses rasante Wachstum hat erhebliche Probleme mit sich gebracht, unter denen nicht zuletzt die Jugendlichen leiden: Traditionsverlust, Korruption, Wasserknappheit, Kriminalität und Rassismus sind Stichworte, die das skizzieren.

Das Theaterstück begeisterte die teilnehmenden deutschen Jugendlichen und führte zu lebhaftem Austausch und Diskussionen mit den jungen Bolivianerinnen und Bolivianern. Bei all den vorhandenen Unterschieden der Verhältnisse hier und dort wurde jedoch vor allem deutlich, wie stark alle Jugendlichen die Probleme des globalen Klimawandels, der Ungleichheit und des Rassismus beschäftigen. Im Kern ging es schließlich um ganz persönliche Dimensionen des Umgangs miteinander, und auch da waren sich alle einig: Im Umgang mit den modernen Technologien,die alle mehr oder weniger permanent nutzen und auch nicht missen möchten, sehen die Jugendlichen auch Gefahren: der zunehmende Verlust von unmittelbaren persönlichen Kontakten und Mobbing sowie der Stress, immer online sein zu müssen. An diesen Themen arbeiteten sie in Workshopsessions, daraus entstand ein Stück. Diese deutsch-bolivianische Premiere wurde schließlich einem ausgewählten Publikum präsentiert.

Bei all dem gab es vor allem eine riesige Freude an den Begegnungen, am Theater spielen und am Austausch miteinander. Und davon hätten sich die Jugendlichen noch viel mehr gewünscht… Doch: die Zukunft beginnt heute! Für die Jugendlichen bedeutet das, dass sie sich zwar nun nicht mehr sehen können, aber – dank der Neuen Medien – weiterhin miteinander in Kontakt sind.

 

Weitere Bilder


„Zimmer frei!“

Vierzig Jugendliche, drei Tage, ein Haus. Wer zieht ein, wer kommt zu Besuch? Was wird gegessen und wer räumt auf? Was tun, wenn's mal richtig kracht?

Im Rahmen des Theaterworkshops "Zimmer frei!" haben sich 40 Jugendliche aus

Afghanistan, den Balkan- Staaten, aus Deutschland und aus Eritrea für drei Tage in Loccum getroffen und mit Mitteln des Theaters eine WG entworfen. Neben Tanz und Improvisation  haben sie ihre unterschiedlichen Gewohnheiten und Traditionen kennengelernt.

Am Ende des Workshops waren sich alle einig: Das gemeinsame Leben in einer WG wäre trotz der Unterschiede nicht nur machbar, sondern ziemlich toll und bereichernd!

 

Die Tagung wurde gemeinsam mit dem Göttinger "boat people projekt" - einem freien Theater, das sich hauptsächlich mit den Themen Flucht und Migration beschäftigt, vorbereitet und durchgeführt.


"Ananse, hilos ancestrales"

Jugendakademie international: „Kayeye“, eine Gruppe junger Künstlerinnen und Künstler aus Kolumbien, hat uns in Loccum besucht. Mit Musik und Tanz zu afrokolumbianischen Rhythmen erzählten uns die Jugendlichen von der Geschichte ihrer Vorfahren:

Die Geschichte der Spinne Ananse berichtet davon, wie sie ein großes Netz spinnt, in dem sie die vielen Geschichten der Versklavten beherbergt, die ihrer Heimat in Afrika entrissen und nach Südamerika verfrachtet worden waren.

 

Neben der Geschichte ihrer Vorfahren erzählten uns die Jugendlichen von sich selbst, von ihrem Leben, ihren  Wünschen und Träumen. In kreativen Workshops mit Rhythmus, Tanz und Theater lernten sich deutsche und kolumbianische Jugendliche kennen und tauschten sich untereinander aus. Zum Ende der Tagung führten alle Teilnehmer/innen gemeinsam ein kleines Theaterstück auf.